Das Erlernen eines Musikinstrumentes soll Freude bereiten, gute Laune bringen oder uns entspannen. Trotzdem wollen wir dabei natürlich auch besser werden und uns weiterentwickeln.

In diesem Beitrag gehe ich auf einige Do and Don’ts beim Üben ein, gebe Dir ein paar meiner Geheimtipps, die Dir dabei helfen können genau diese zwei Komponenten miteinander zu kombinieren. Also leichter motiviert zu bleiben sowie mehr Freude beim Üben zu empfinden und stetig besser zu werden. 

6 Do and Don’ts beim Üben

#1 Ruhe vs. Hetze

„Schnell mal“ oder zwischen Tür und Angel ein Stück zu üben, führt meistens nicht zu einem wirklich guten Ergebnis. Ich zumindest tendiere im gehetzten Zustand dazu viel mehr Fehler zuzulassen und auch nicht wirklich produktiv zu sein.

Deshalb möchte ich Dich dran erinnern, dass Du wirklich am effizientesten übst, wenn Du Dir Zeit und Ruhe dafür nimmst. Ruhe ist hier nicht unbedingt gleichzusetzen mit viel Zeit. Es geht mehr darum, dass Du wirklich anwesend bist, auch wenn Du nur 10 Minuten übst!

Natürlich gibt es immer Wochen oder Tage, die sehr voll sind undin denen wir es nicht vermeiden können auch mal gestresst das Instrument in die Hand zu nehmen, aber in den meisten Fällen haben wir doch etwas Spielraum. 

Falls du also merkst, dass du gerade gestresst bist und nicht wirklich zur Ruhe kommen kannst, bau lieber noch eine kurze Pause ein bevor du loslegst. Einen Tee trinken oder eine kurze Meditation eignen sich dafür besonders gut!

Wie sagt man so schön: In der Ruhe liegt die Kraft!

Mehr dazu, wie Du vor dem Üben zur Ruhe kommen kannst, findest Du auch in meinem Blogbeitrag: Wie Du das Musikinstrumentüben in Deinen Alltag integrierst.

#2 Fokus vs. Monkeymind

Fokus und Konzentration, das sind zwei Dinge, die wir uns bei vielen Tätigkeiten wünschen. Meistens sind sie aber auch nicht so einfach zu finden. 

Auch beim Üben ist es viel effektiver, wenn unser Geist wirklich bei der Sache ist und nicht von einem Gedanken zum anderen springt. 

Der stärkste Feind unserer Konzentration ist wie immer das Handy. Gerne greifen wir nämlich alle paar Minuten danach, um zu kontrollieren ob wir Nachrichten, E-Mails oder Anrufe bekommen haben und was bei Social-Media so los ist.

Neigst Du dazu Dich ablenken zu lassen?

Wenn ja, dann gib dir ein bisschen Zeit dabei Konzentration und Focus beim Üben zu entwickeln. Probiere als erstes zu ermitteln, was Dich eigentlich ablenkt. Sowohl in Deinen Gedanken als auch beim Deinem Tun. Dann weißt Du nämlich wogegen Du vorgehen musst. 

Den Störenfried Handy könntest Du zum Beispiel erst gar nicht mit in den Raum nehmen, in dem Du übst oder Deiner Familie und Deinen Mitbewohnern vor dem Üben mitteilen, dass Du jetzt nicht gestört werden willst.

#3 langsam vs. schnell

Bestimmt hast du diesen Tipp schon sehr oft gehört: Langsam Üben! Ja, aber warum ist das jetzt eigentlich so wichtig oder hilfreich? 

Zugegebenermaßen habe auch ich erst während des Klarinettenstudiums verstanden, was eigentlich der tieferliegende Grund für diesen Tipp ist! Eigentlich war es total offensichtlich, aber manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht!

Meist ist einem nicht so klar, dass wir beim Üben wirklich alles üben. Ja genau! Die Fehler genauso wie das was wir richtig spielen. 

Beim Üben, üben wir wirklich alles. Die Fehler und die richtigen Passagen!

Du kennst bestimmt folgendes Szenario: Du spielst 20 Mal eine Stelle, die dir schwer fällt. 15 Mal davon spielst Du sie zu schnell und dadurch fehlerhaft. Die nächsten fünf Mal drosselst Du dann Dein Tempo und spielst die Passage richtig. 

Hier macht uns der Kopf einen Strich durch die Rechnung. Denn das verrückte ist, dass wir das Gefühl haben voran zu kommen, da wir die Stelle zum Schluss ja richtig gespielt haben. Aber die Fakten zeigen: Wir haben die Stelle 15 Mal falsch und 5 Mal richtig gespielt.

Und jetzt die ultimative Frage: Was hast du jetzt mehr geübt? Ja klar, natürlich die Fehler! 

Deshalb mein Tipp: Nimm dir am Anfang für schwierige Stellen wirklich Zeit und spiele sie langsam, aber richtig! Du wirst sehen, dass Du auf diese Weise viel schneller vorankommst! 

#4 hungrig oder satt?

Eigentlich ist beides, hungrig oder satt zu sein, nicht der perfekte Zustand für das Üben.

Nicht gegessen zu haben, ist deshalb nicht besonders günstig, da wir dann meist leicht zu reizen sind und ungeduldig sein können. Meist halten wir hungrig nicht lange durch und es fällt uns schwer konzentriert zu bleiben bzw. Ruhe zu finden. 

Aber auch „vollgefressen“ übt es sich nicht besonders gut. Der Körper steckt nach dem Essen meist die ganze Energie in die Verdauung. Außerdem kann ein voller Magen beim Atmen – z.B. beim Spielen eines Blasinstruments oder beim Singen – sehr unangenehm sein. Das ist aber auch eine Typfrage. Manch einer kann auch mit einem leeren Magen nicht gut üben. 

Wenn Du also mal Probleme hast in den Übemodus zu kommen, könnte es auch an Deiner Nahrungsaufnahme liegen bzw. daran wie lang oder kurz sie her ist.

Wenn Du aber ein gutes Mittelmaß findest, wird sich dies sicher positiv auf Deine Konzentration und Deine Energei beim Üben auswirken und somit auch die Ergebnisse, die Du dabei erzielst verbessern.

#5 Energiehoch vs. -tief

Hast du schon mal davon gehört, dass wir Energiehoch- und Tiefphasen am Tag haben? Und kennst Du Deine schon?

Deine Hochs und Tiefs kann Du über eine sehr einfache Methode ermitteln und findest so heraus wann Du besonders produktiv bist. Er reicht eine einfache Tabelle aus, in der Du Dir ein paar Tage lang jede Stunde notierst wie energiegeladen oder produktiv Du Dich gerade fühlst. 

Aus den Werten kannst Du dann, wenn Du magst, eine Kurve zeichnen und im Vergleich der verschiedenen Tage dann Schlüsse daraus ziehen, wo deine Energiehochphasen liegen. Hast Du diese einmal ermittelt geht es nun „nur noch“ darum sie auch für dich zu nutzen. 

Wenn du zum Beispiel besser morgens arbeitest beziehungsweise übst, machst Du Dir das Leben natürlich deutlich schwerer, wenn du immer in den Abendstunden üben gehst. 

Ich kann dich aber schon mal beruhigen wir haben mehrere Hochs und Tiefs am Tag. Höchstwahrscheinlich musst Du Dich nicht zwischen morgens und abends entscheiden. Probiere es gerne mal aus!

Zu diesem Tipp hat mich folgender Blogbeitrag von Ivan Blatter inspiriert. Wenn ich Dich als neugierig machen konnte und Du mehr erfahren willst, schaue sehr gerne bei seinem Beitrag vorbei! 

#6 Pausen vs. an einem Stück

Manchmal lohnt es sich, gerade in langen Übe-Einheiten, kurze Pausen einzubauen, denn eigentlich geht man davon aus, dass wir uns sowieso nur circa 30 Minuten wirklich konzentrieren können. Danach geht es mit unserem Fokus und unserer Konzentration eher abwärts.

Um immer konzentriert zu Üben könntest Du beispielsweise immer nach einer Übedauer von 25 Minuten fünf Minuten Pause machen. 

Für mich stellte sich dabei als hilfreich heraus diese Pausen auch wirklich so kurz zu halten, denn sonst war die Gefahr, dass ich den Übemodus wieder verließ und thematisch vollkommen abdriftet extrem groß.

Ein typisches Beispiel: Ich begann organisatorische Aufgaben in dieser „Pause“ zu erledigen und fand mich zwei Stunden später immer noch Mails beantwortend. 

Für die nächste Übe-Einheit musste ich mich dann außerdem wieder neu motivieren beziehungsweise den Schweinehund überwinden und das kostet natürlich jedes Mal Zeit und Energie. 

Deshalb würde ich Dir auf jeden Fall raten, wenn Du Pausen machen möchtest, diese eben auch kurz zu halten und eventuell nur kurz eine Dehnübung einzubauen oder ein Glas Wasser zu trinken.  

Dann bleibst Du nämlich viel besser im Fluss und muss Dich nicht wieder erst aufs Üben einstellen, sowohl gedanklich als auch körperlich. 

Für Dich zusammengefasst: 

  1. In der Ruhe liegt die Kraft! Nutze sie.
  2. Die Qualität des Übens entscheidet maßgeblich über die Entwicklung, die Du machst. 
  3. Übe vor allem schwere Stellen im Schneckentempo. Wenn sich erstmal Fehler eingeschlichen haben, ist es viel schwerer sie wieder loszuwerden.
  4. Bedenke auch, dass ein leerer und voller Magen Auswirkungen auf Deine Art zu üben hat. 
  5. Kennst Du Deine Energiehochphasen? Nutze sie und das Üben wird Dir viel leichter fallen. 
  6. Baue kleine Pausen in langen Übe-Einheiten ein, um Ermüdungserscheinungen zu vermeiden. 

Fazit

Durch viele, viele Stunden üben kommt man natürlich schneller voran, als wenn man nur wenig oder gar keine Zeit investiert. Mindestens genauso wichtig ist aber auch die Qualität beim Üben. 

Denn, wenn man wirklich fokussiert und energiegeladen übt, ist man auch effektiv! Erreicht also mit wenig Zeit größere Fortschritte, als wenn man einfach so vor sich herspielt. 

Es lohnt sich also für Dich an einigen Schrauben beim Üben zu drehen und Deine Art zu üben zu optimieren, um das beste aus Deiner Übe-Zeit herauszuholen. 

Ich wüsche Dir viel Freude am Entwickeln Deiner Techniken, um Deine Produktivität zu steigern und hoffe sehr, dass Dir der ein oder andere Tipp gefallen beziehungsweise weitergeholfen hat!

Deine Melina 

Hast Du schon den beingdoingmusic-Übertracker? Dieser hilft Dir Dein Üben im Blick zu behalten, zu planen und auszuwerten.

So bleibst Du immer motiviert und entwickelst Dich auch schneller weiter. Falls Du ihn noch nicht hast wird es Zeit!

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