In meinem letzten Blogartikel „4 Vorteile eines Übeplans beim Musizieren“ habe ich Dir das Planen, Tracken oder auch Journaling beim Musizieren so richtig schmackhaft machen wollen.

Hat es funktioniert?

Aber, wie erstellst Du Dir einen guten Übeplan und was gibt es dabei zu beachten? In diesem Artikel möchte ich jetzt darauf eingehen, wie Du Dir einen Übeplan erstellst, der richtig gut zu Dir passt. Und ich werde Dir ein paar Tipps geben, worauf Du bei Deinem Übeplan achten kannst. 

Dabei werde ich zuerst auf die Komponente Zeit in Deinem Übeplan eingehen, bevor es um das „Was“ gehen soll. Gerade beim „Was“ lohnt es sich nämlich verschiedene Elemente in Deinem Übeplan zu berücksichtigen. Denn so kannst Du wirklich effektiv und auch mit möglichst viel Freude üben. 

Los gehts!

Die Komponente Zeit in Deinem Übeplan 

Bei der Komponente Zeit gibt es drei Ebenen, über die Du Dir Gedanken machen kannst:

  1. Den Übezeitpunkt, also die Uhrzeit und den Tag, an dem Du üben möchtest.
  2. Die Übedauer.
  3. Die Häufigkeit, also wie oft Du planst zu üben.

Auch wenn es erst so scheint. Bei allen drei Komponenten führt mehr nicht umbedingt zu einem größeren Erfolg. Es gibt großartige Musiker*innen, die 8 Stunden am Tag üben und andere, die nicht mal die Hälfte dieses Pensums abspulen und trotzdem Außergewöhliches leisten.

Was ich damit sagen möchte ist: Nicht allein die Länge oder die Häufigkeit Deiner Übeeinheit entscheidet über den Output oder Deinen Fortschritt. Es ist die Qualität beim Musizieren, die den Unterschied macht. 

Trotzdem lohnt es sich natürlich über die drei Punkte nachzudenken. Hierzu möchte ich Dir folgenden Tipp geben. Mache Dir Gedanken, über Deine optimale Übezeit (Zeitpunkt, Dauer und Häufigkeit) bzw. Deinen optimalen Übeplan und beginne Dich diesem dann Schritt für Schritt zu nähern.

Musik in Dein Leben zu integrieren ist kein Sprint sondern ein Marathon. Wahrscheinlich willst Du Dir mit Deinem Plan ja im besten Fall die Grundlage dafür schaffen langfristig am Ball zu bleiben. Wenn Du klein anfängst, wird Dir dies leichter gelingen als wenn Du gleich probierst Deinen optimalen Übeplan umzusetzen.

Denn der optimale Übeplan ist meist weit von unserem momentanen Stand entfernt und das neue Pensum gerade zu Beginn viel zu anstrengend. Das kann zu Überforderung und Demotivation führen, wenn wir den Plan nicht einhalten können.

Zwei Beispiele wie Du Deinem optimalen Übeplan Stück für Stück näher kommst:

Beispiel 1 für Hobbymusiker*innen:

Ziel: 3 Mal die Woche 20 Minuten üben

momentaner Stand: bisher keine Überoutine

Ansatz: Du könntest Dir zuerst einen der drei Termine vornehmen oder die Überzeit auf 7 min verkürzen und Dich dann langsam vorarbeiten.

Beispiel 2 für Musikerstudierende und Profimusiker*innen:

Ziel: früher am Tag mit dem Üben beginnen und neue Elemente in das Üben integrieren

momentaner Stand: Übepensum: 4 Stunden am Tag; Start nie vor 12 Uhr; Tonleiterübungen kommen zu kurz, weil Du keinen Spaß dabei hast

Ansatz: Du könntest Dich langsam an Deine gewünschte Übezeit herantasten. Geh etwas früher schlafen und stelle Deinen Wecker jeden Morgen 10 Minuten und nicht gleich mehrere Stunden früher. Bei den Tonleiterübungen könntest Du Dir vornehmen erstmal 10 Minuten in Deinen Übeplan zu integrieren und diese Zeit nach und nach auszubauen. Zu 10 Minuten kann man sich meist sehr leicht überreden und wahrscheinlich werden dann eh mehr draus.

Die optimale Übezeit

Bei dem Übezeitpunkt kommt es zu einen darauf an, wann Du überhaupt Zeit zum Musizieren hast, aber auch, wann für Dich eine gute Zeit zum Üben ist.

Die vielleicht entscheidendste Frage, um Deiner optimalen Überzeit auf den Grund zu gehen ist: Wann kannst Du Dich so richtig aufs Musizieren einlassen? 

Für mich gibt es Zeitpunkte oder Phasen am Tag, an denen mir dies besonders leicht fällt.

Zum einen sind das die Morgenstunden. Denn früh am Morgen bin ich noch „sortiert“ und kann mich leichter fokussieren. Zum anderen finde ich den späten Nachmittag sehr angenehm. Da ich später am Tag schon einiges erledigt habe, kann ich mich später leichter auf das Musizieren einlassen und Ruhe dafür finden.

Was wäre Deine optimaler Übezeitpunkt?

Wenn Du diesen oder diese Zeitpunkt(e) kennst, hast Du eine sehr wichtige Information für Deinen Übeplan gewonnen. Versuche diese Informationen in Deine Planung mit einfließen zu lassen und plane das Üben auch fest in Deinen Tag, Deine Woche ein.

Die Komponente Was in Deinem Übeplan

Wie könntest Du eine Übesession aufbauen, um möglichst effektiv zu sein, aber auch Elemente zu integrieren, die Dir einfach nur Freude bringen? Was wären die Must-Haves für Deinen Übeplan?

Für mich gibt es insbesondere ein Element, das ich heute nicht mehr in meinem Übeplan missen möchte und das ist, wie ich mit dem Üben starte. Früher habe ich mein Instrument hektisch aufgebaut und direkt mit dem „harten“ Stoff, also Tonleiterübungen usw. angefangen, heute sieht es ganz anders aus.

Aufwärmen – ein Must-Have in meinem Übeplan

Gerade den Anfang jeder Übesession genieße ich heute besonders, denn das ist die Zeit, in der ich ankomme und Kontakt mit meinem Körper aufnehme. Für mich ist diese Zeit, in der ich Klangübungen mache, wie eine aktive Art zu meditieren. Ich stimme mich damit auf das Üben ein, lausche meinem Klang und nehme wahr, wie sich mein Körper heute anfühlt, ob ich Verspannungen habe und wie meine Atem ein- und ausströmt.

Nach ungefähr 10 Minuten kann es dann richtig losgehen.

Auch meinen Schüler*innen gebe ich in den ersten Minuten meines Unterrichtes Zeit in Kontakt mit ihrem Körper zu kommen, anzukommen und Ruhe zu finden. Nach diesem wenigen Minuten sind sie ganz anderes bereit für die Aufgaben, die im Unterricht auf sie warten.

Die „Aufwärmphase“ ist vielleicht noch kein konkreter Inhalt zum Üben, liegt mir aber besonders am Herzen und ich kann Dir nur empfehlen es auszuprobieren. Sich ein paar Minuten am Anfang Zeit zu geben, kann so viel für Dein Musizieren insgesamt verändern.

Was Du alles in Deinen Übeplan integrieren kannst

Neben den Klangübung, die sich eben wunderbar zum Aufwärmen eignen, sind natürlich auch Artikulationsübungen, Tonleitern und Etüden als Elemente in Deinem Übeplan sehr zu empfehlen. Ich würde diese unter dem Überbegriff Basis-Übungen zusammenfassen.

Je nach dem wie viel Zeit Du investieren willst und kannst, können diese vier Elemente immer oder abwechselnd Teil Deines Übeplans sein. Und auch wenn diese Übungen sehr technisch klingen, versuche auch während dieser Basis-Übungen zu Musizieren und nicht einfach nur mechanisch Töne aneinanderzureihen. 

Nach der ein oder anderen Basis Übung dürfen natürlich Deine Stücke, Lieder uws. nicht auf Deinen Übeplan fehlen. Und diese können durchaus vielfältig sein: Ob solo oder eine Stimme eines Orchester-, Ensemble- oder Bandstückes. Außerdem könntest Du improvisieren, auswendig spielen, etwas vom Blatt spielen oder alte Stücke wieder reaktivieren. 

Suche Dir neben den Dingen, an denen Du arbeiten möchtest, auch etwas, das Dir einfach nur Spaß macht. Auf die richtige Mischung kommt es an!

Nicht jede Minute beim Üben muss effektiv sein! Sei kreativ und fühle Dich auch frei Neues auszuprobieren. Zum Beispiel könntest Du auch mal außerhalb Deiner Nische schauen! Als klassischer Musiker*in könntest Du Jazz oder Filmmusik spielen oder anders herum. 

Alles was Freude macht ist erlaubt und wichtig, da es enorm zur Motivation beiträgt.

Für Dich kurz zusammengefasst:

  • Plane Dein Üben fest in Deine Woche oder Deinen Tag ein, das wird Dir auch in Motivationslöchern helfen dran zu bleiben.
  • Begib Dich auf die Suche nach einer Zeit, bei der er Dir leicht fällt Dich auf das Musizieren einzulassen.
  • Kenne Deinen optimalen Übeplan und taste Dich Stück für Stück an ihn heran, um langfristig dabei zu bleiben.  
  • Meine Empfehlung für den Anfang jeder Übesession: Spielend Aufwärmen. 
  • Finde eine gute Balance zwischen Dingen, an denen Du arbeiten willst und Elemente, die Dir Freude bringen sollen. 
  • Verbinden verschiedene Elemente in Deinem Übeplan wie: Tonleitern, auswendig spielen, improvisieren, neue Stücke lernen usw.

Fazit

Bei der Erarbeitung Deines Übeplans kannst Du verschiedene Dinge beachten. Was Dir aber sicherlich am meisten dabei helfen wird einen Übeplan zu finden, der zu Dir passt, ist Dein Bauchgefühl. Denn jeder Tipp kann noch so großartig sein, wenn er sich für Dich nicht stimmig anfühlt, ist er nicht der richtige.

Gib Dir auch etwas Zeit mit Deinem Übeplan. Mit der Zeit lernst Du Dich und auch Deine Möglichkeiten das Musizieren in Dein Leben zu integrieren besser kennen und kannst Deinen Übeplan besser auf Dich abstimmen. Sei also nicht deprimiert, wenn sich Dein Plan noch nicht rund anfühlt.

Generell soll Dir Dein Übeplan dabei helfen ins Tun zu kommen und Dir nicht ein Ideal vorhalten, das so unerreichbar oder anstrengend erscheint, dass es Dich lähmt. Der nächste Schritt in Deinem Plan sollte also nur so groß sein, dass Du ihn auch leicht umsetzen kannst.

Und jetzt wünsche ich Dir viel Freude und vor allem gute Ideen für deinen Übeplan!

Deine Melina 

P.S. Brauchst Du noch einen Übeplan mit dem Du Deine Planung durchführen kannst? Dann lade Dir hier sehr gern den beingdoingmusic-Übeplan herunterladen.