Wäre es nicht toll, wenn Du Dich beim Spielen so richtig wohlfühlst, nur wenige Verspannungen hast und Dir die ganze Sache auch noch leichtfällt?

Aus meiner Erfahrung heraus vermischen wir oft zwei Dinge, die uns daran hindern genau diese Erfahrungen machen zu können. Aber ich möchte hier ungern pauschalisieren. Einigen unter Euch werden diese Gedanken bestimmt schon bekannt vorkommen und haben dann eventuell auch schon eine Lösung gefunden.

Wenn Du Dein Spiel aber eher als anstrengend beschreiben würdest, Du sehr viel Kraft und Anspannung investieren musst, um deine Ergebnisse zu erzielen, ist dieser Beitrag vielleicht genau das Richtige für Dich! 

Welche Gedanken vermischen wir?

  1. Bücher, Filme usw. zeigen und beschreiben uns gern immer wieder Bilder hart arbeitender, disziplinierter Musiker*innen, die Schweiß lassen müssen, um ihre Ziele zu erreichen. Die über Grenzen gehen; bei denen das Üben der harte Weg zum Erfolg ist. Hierbei gilt immer: Härtere Arbeit = mehr Erfolg! Oder „Nur die Harten kommen in den Garten.“
  2. Dass wir als Musiker*innen genau diesen Weg gehen müssen, möchte ich gar nicht abstreiten und natürlich ist das Üben oder das Konzertspielen anstrengen. Für mich war es jedoch so, dass ich dieses Bild, diesen Stereotyp, auf mein Spielgefühl übertragen habe. Dieses durfte genauso anstrengend sein oder musste es sogar, weil ich mich sonst nicht genug engagierte, nicht hart genug arbeitete. Und, wir wissen ja wo das hinführt…

Und hier kommt genau die Trennung dieser zwei Gedanken ins Spiel! Also die Trennung vom Üben oder „des Training“ und dem Spielgefühl.

Üben

Ganz einfach gesagt wollen wir beim Üben besser werden. Schwierige Technische Abläufe lernen, verschiedene Körperteile koordinieren, mehr Ausdauer gewinnen oder mehr Muskelkraft aufbauen. Wir setzten beim Üben, wie auch im Sporttraining einen Reiz, der durchaus sehr fordernd sein kann, damit uns zum Beispiel der gleiche Bewegungsablauf das nächste Mal leichter fällt, wir schneller werden oder länger durchhalten.

Natürlich macht Üben am meisten Sinn, wenn wir es regelmäßig tun. Es also auch tun, wenn wir eigentlich keine Lust haben oder müde sind. Diese Disziplin kann, gerade auch mental, sehr anstrengend sein. 

In diesem Übeprozess stecken also durchaus Elemente, bei denen wir uns quälen müssen, in denen wir Schmerzen ertragen oder auch Erschöpfungen merken.

Spielgefühl

Und nun kommt der zweite Aspekt ins Spiel: das Spielgefühl. Weißt Du wie Du Dich beim Spielen fühlst? Es gab einige Momente beim Üben, bei denen ich dachte auf dem richtigen Weg zu sein, obwohl sich die Lösung für mein technisches Problem unnatürlicher oder verspannter als vorher angefühlt hatte. Abgesehen davon, dass es ja nun wirklich nicht erstrebenswert ist, in eine Richtung zu arbeiten, bei der alles noch anstrengender ist, ist dies ja auch gar nicht zielführend. Es ist doch viel sinnvoller daran zu arbeiten weniger Kraft zu investieren, weil man damit automatisch auch länger durchhalten kann, weniger schnell ermüdet und so weniger Fehler macht.

Oder einfach aus dem Bauch gesagt: Natürlich will ich mich beim Spielen wohlfühlen und wünsche mit das es leicht geht!

Das ideale Spielgefühl

Für mich hat es sehr geholfen, dass ich mir ein konkretes Gefühl, ein Ideal, erarbeitet habe, dass ich dann beim Üben anstreben konnte. Diese sollte folgende Punkte erfüllen: Es sollte leicht sein und es sollte sich gut anfühlen.

Schon vorweg, natürlich ist es nicht möglich dieses Ideal immer zu erreichen, denn beim Üben oder im Konzert, gerade wenn deine Muskulatur erschöpft ist, fühlt sich alles nicht mehr so „ideal“ an. Hier können wir uns dann eher über die Momente freuen, wo es geklappt hat.

Aber es ist ein Unterschied, ob Du von vornherein Verspannungen und Schwere in Kauf nimmst, oder etwas Lockeres, Leichtes anpeilst. 

Wie kommst Du zu Deinem idealen Spielgefühl?

So einen Idealzustand kann man aus meiner Sicht nicht rein rational festlegen. Also ihn verbal definieren und dann probieren dies umzusetzen. 

Viel mehr ist der Idealzustand Deines Spielgefühls eben ein Körpergefühl, was Du Dir erarbeiten und speichern kannst. Oftmals integrieren wir unseren Körper nicht wirklich in unseren Übeprozess und haben verlernt seine Rückmeldungen wahrzunehmen und auch zu deuten. Wir probieren die Lösungen eher vom Kopf zu steuern.

Auch hier möchte ich natürlich nicht pauschalisieren! Es wird auch einige unter Euch geben, die bereits ein sehr gutes Körpergefühl haben. 

Aber, wenn ich Dich jetzt neugierig drauf gemacht habe, wie Du zu einem Spiel kommen kannst, bei dem du dich 100-prozentig wohlfühlst, kommen nun 4 Punkte, bei denen du ansetzen kannst.

4 Ansätze für die Suche nach Deinem idealen Spielgefühl

#1 Komm wieder zurück in den Körper.

Oft sind wir beim Üben viel im Kopf und probieren das Problem von dort aus zu lösen. Wir achten nicht darauf wie wir uns eigentlich fühlen. Mein erster Tipp wäre deshalb, dass Du wieder lernst auf Deinen Körper zu hören, seine Signale wahrzunehmen und auch zu deuten. Hier können Dir zum Beispiel Achtsamkeitstechniken helfen. Schau hier auch gern bei meinem Artikel „Musizieren – Das neue Achtsamkeitstraining?“ vorbei, um erste Ideen zu sammeln.

#2 Atmung

Vielleicht hast Du es ja schon mitbekommen. Ich bin ein richtig kleiner Atemfreak. Das Thema kann mich extrem begeistern! Wie wir atmen kann eine große Auswirkung darauf haben, wie wir uns beim Spielen fühlen. Außerdem ist Deine Atmung ein super Tool um in den Körper zu kommen. Du brauchst nur 1-3 Atemzüge um direkt ins Fühlen zu gelangen. Auch hier gibt es einen Artikel von mir, den Du gern zum Einstieg lesen kannst: Deine Atmung – Verstecktes Potential.

#3 Wann fühlst Du Dich so richtig wohl?

Gibt es eine Situation, in der Du Dich besonders wohl fühlst oder wo Du Deinen Körper sehr gut spüren kannst? Vielleicht ist das beim oder nach dem Sport. Vielleicht ist es früh morgens oder abends. Das ist wirklich eine ganz individuelle Sache. Merke Dir das Gefühl in dieser Situation, vergleiche es mit dem Spielgefühl und beginne es zu übertragen oder auch beim Spielen zu finden.

#4 Suche nach den Verspannungen

Wenn Du schon etwas Rückmeldung von deinem Körper bekommst und diese auch wahrnehmen kannst, kannst Du damit beginnen Deine Verspannungen aufzuspüren und diese loszuwerden. Bei mir kam irgendwann ein Punkt, an dem mich Verspannungen extrem genervt haben. Sie konnten mich in den Wahnsinn treiben! Wenn man sich erstmal auf etwas fixiert hat… Ganz so extrem muss es ja für Dich nicht sein. Auf jeden Fall kannst Du es aber als positiv verbuchen, wenn Du Unangenehmes wahrnehmen kannst, denn dann bist Du schon auf dem halben Weg dieses auch loszuwerden. 

Idealgefühl als Wegweiser

Wenn ich heute beim Üben an etwas arbeite, weiß ich natürlich nicht immer wie ich ans Ziel komme. Aber ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin, wenn ich meinem Idealzustand näherkomme oder sich etwas besser anfühlt. Und das ist so viel wert! Wie oft ging es mir so, dass ich mir unsicher darüber war, ob ich jemals diese oder jede Stelle richtig gut spielen können würde.

Mein Idealgefühl, ist hier der metaphorische Leuchtturm, der mir den Weg in den Hafen (Ziel) weist. 

Zu bildlich gesprochen? Heute orientiere ich mich an meinem Idealgefühl. Wenn ich diesem näher komme, bin ich auf dem richtigen Weg! Damit mache ich mich auch von äußeren Einflüssen, zum Beispiel einem Lehrer, unabhängig, weil ich nun etwas Eigenes habe, was mir den Weg zeigt.

Für Dich zusammengefasst:

  • Trenne dein Idealgefühl beim Spielen von der Intensität, mit der du an dir arbeiten willst. Zu arbeiten oder zu üben darf anstrengend sein, aber das Spielen selbst sollte locker, einfach sein und sich gut anfühlen.
  • Um dir ein ideales Spielgefühl zu erarbeiten, komme wieder in den Kontakt mit deinem Körper. Du könntest zum Beispiel das Gefühl aus anderen Situation in den du dich schon wohlfühlst, übertragen.
  • Mach dich auf die Suche nach Verspannungen und probiere diese zu lösen.
  • Auch die Atmung kann ein Schlüssel sein, um sich besser beim Spielen zu fühlen.
  • Dieses großartige Spielgefühl zu finden ist ein stetiger Prozess. Es kann sich also auch verändern. 
  • Vertraue darauf, dass Du Deinem Ziel näherkommst, wenn Du Dich an Dein ideales Spielgefühl hältst.
  • Sei nicht enttäuscht oder traurig, wenn Du das schöne Spielgefühl nicht bei Konzerten abrufen kannst. Das ideale Spielgefühl ist eher eine Richtung, die Du anstrebst.

Fazit

Mach dich auf die Suche nach deinem idealen Spielgefühl beziehungsweise Deinem Idealzustand beim Spielen. Es lohnt sich so sehr! Du wirst so wieder mehr in Kontakt mit Deinem Körper kommen, Dich wohler beim Spielen fühlen und mehr Freude dabei empfinden. Außerdem entwickelst Du Dich schneller weiter und weißt in welche Richtung Du arbeiten musst. 

Mache diesen Satz zu Deinem Motto: Es darf leicht sein und ich darfst mich wohlfühlen!

Ich wünsche Dir Freude bei der Suche nach Deinem idealen Spielgefühl!

Deine Melina