Gefühlt hatte ich früher ständig das Problem einen Ort zum Üben zu finden, an dem ich richtig effektiv und produktiv sein konnte. Teilweise habe ich im Studium mehr als 6 Stunden gewartet, um einen Überaum in der Hochschule zu bekommen. Diesen durfte man dann zwei Stunden in Beschlag nehmen. Also eine mehr als suboptimale Situation!

Auch Probleme mit den Nachbarn blieben nicht aus. Diese fanden es komischerweise nicht so toll mehrere Stunden am Tag Klarinettenmusik oder auch Tonleitern zu hören. Moderne Musik mit sehr viel hohen Tönen war natürlich besonders beliebt!

Aber Spaß beiseite.

Wenn wir ein Musikinstrument spielen, brauchen wir auf jeden Fall einen Ort, an dem wir ungestört Üben können. Im besten Fall unterstützt Dich dieser Ort darin dabei auch konzentriert und effektiv zu sein.

Falls Du noch auf der Suche nach einem geeigneten Ort zum Üben bist, wirst Du nach dem Lesen dieses Beitrages besser wissen, worauf Du bei Deiner Suche achten kannst.

Hast Du schon einen oder mehrere Orte zum Üben, inspiriert Dich dieser Beitrag vielleicht dazu, wie Du diesen noch optimieren kannst.

Am Ende wartet auf jeden Fall ein Ort zum Üben auf Dich, wo Du Dich wohlfühlst und der Dich in Deiner Entwicklung unterstützt.

7 Tipps für Deinen Ort zum Üben

#1 Fühlst Du Dich beim Üben beobachtet?

Eine der Grundvoraussetzungen für einen Ort, an dem Du gut üben kannst, ist, dass Du Dich frei und unbeobachtet fühlst. Dass Du also musizierst und nicht gleichzeitig darüber nachdenkst, ob Dir jemand zuhört und wie diese Person Deine „Leistung“ bewertet.

Such Dir also wirklich ein Ort zum Üben, an dem Du ungeniert Fehler machen kannst und dies auch tust. Es darf auch mal nicht so schön klingen! Und vor allem solltest Du an diesem Ort auch laut sein dürfen und Dir keine Gedanken darüber machen müssen, ob Du jemanden störst.

#2 Ruhe beim Üben

Wenn es in #1 darum ging, dass Du einen Ort brauchst, wo Du andere nicht störst – aber nicht nur um die Anderen zu schützen, sondern vor allem um Dich selbst freier beim Üben zu fühlen – dann geht es nun bei #2 darum, dass Du darauf achtest Ruhe beim Musizieren zu haben.

Deinen Mitbewohner*innen oder Familienmitgliedern könntest Du zum Beispiel kommunizieren, dass Du beim Üben nicht gestört werden möchtest. Dein Handy auf Flugmodus schalten und andere elektronische Geräte, die Deine Aufmerksamkeit anziehen, ausschalten.

Diese drei Dinge werden Dir schon enorm helfen Konzentration beim Üben zu finden. Übe lieber 10 Minuten effektiv und ohne Ablenkung als 30 Minuten, in denen Du mehrmals Dein Handy in die Hand nimmst und im Internet surfst.

#3 Platz beim Üben

Eingeengt in einer Ecke zwischen vielen anderen Dingen übt es sich einfach nicht so gut. Für mich ist es deshalb wirklich wichtig, dass ich Platz beim Musizieren habe.

Das liegt auch daran, dass ich gerne die ein oder andere Körperübung in mein Üben mit aufnehme und sehr, sehr gerne herumlaufe. Ich bin dann lockerer und fühle mich wohler beim Spielen.

Außerdem habe ich auch das Gefühl, dass sich der Platz, der mir zur Verfügung steht, direkt auf meine Haltung auswirkt. Habe ich Platz stehe ich gerade und nehme einen gewissen Raum ein. Steht mir nur eine kleine Ecke zur Verfügung neige ich dazu körperlich einzufallen und gebeugt dazustehen. 

#4 Ordnung beim Üben

Ok, jeder Mensch ist ein bisschen anders, aber ich kann es sehr schwer aushalten, wenn es um mich herum aussieht als wäre eine Bombe eingeschlagen. Auch früher in den Überäumen der Hochschule war meine erste Tat Ordnung zu schaffen.

Denn Unordnung lenkt mich enorm ab, vor allem dann, wenn sie von Dingen verursacht werden, die abgearbeitet werden müssen. Meine Gedanken driften dann ständig ab und beschäftigen sich damit, was ich noch zu erledigen habe.

Für mich lohnt es sich auf jeden Fall ein paar Minuten vor dem Üben ins Aufzuräumen zu investieren als im Chaos mein Glück zu versuchen. 

#5 Tools beim Üben

So richtig viele Tools brauchen wir beim Musizieren eigentlich nicht, aber einen Notenständer finde ich schon sehr sinnvoll. Es gibt sie in verschiedenen Höhen, manche sind leichter und andere sehr stabil. Ganz egal welchen Du Dir kaufst, achte darauf, dass Du ihn beim Üben auf die richtige Höhe einstellst.

Die richtige Höhe hast Du eingestellt, wenn Dein Blick mit einer aufrechten Kopfhaltung auf die Noten fällt und Du den Kopf nicht neigen musst, um die Noten lesen zu können. Gegebenenfalls musst Du Dich etwas weiter von dem Notenständer wegstellen, damit dies funktioniert. Dann kann Deine Atmung frei fließen und das ist ja vor allem für Blasinstrumente oder Sänger interessant.

Ebenso wichtig wie der Notenständer ist auch ein guter Stuhl. Natürlich nur insofern Du beim Üben auch mal Sitzen möchtest. Wichtig ist hier, dass Deine Oberschenkel beim Sitzen in einem rechten Winkel zum Boden sind. Dann sitzt Du optimal.

Ein wirkliches Must-have an Deinem Ort zum Üben ist der Bleistift. Diesen hast Du am besten immer parat und musst nicht erst beim Bedarf anfangen danach zu suchen.

#6 Journaling, Tracken des Übens

Hast Du Dein Üben schon einmal mit einem Journal oder Notizheft festgehalten? Oder getrackt?

Die Methode ist relativ simple. Alle Gedanken, die Dir beim Üben, davor oder danach in den Kopf kommen, hält Du schriftlich fest. Auf diese Weise kannst Du Fragen für Deine Lehrer*innen oder Kammermusikpartner*innen notieren oder auch den Zeitpunkt und Inhalt Deiner nächsten Übesessions planen.

Da die Gedanken beim Üben meist am frischesten sind, lohnt es sich Dein Notizheft, Bullet Journal oder den beingdoingmusic-Tracker auch an Deinem Ort zum Üben zu platzieren.

Falls Du den beingdoingmusic-Übetracker noch nicht hast, kannst Du ihn Dir hier runterladen.

Dieses Vorgehen lohnt sich nicht nur für Profis. Auch gerade, wenn Musik Dein Hobby ist und die Pausen zwischen den Übeeinheiten etwas größer ausfallen können, kann es eine tolle Unterstützung sein, wichtige Dinge zu notieren. Es wird so viel einfacher an die letzte Übesession anzuknüpfen.

#7 Mach’s Dir schön!

Und zuletzt noch ein genereller Tipp. Gestalte Dir den Ort, an dem du üben willst so, dass er Dir wirklich richtig gut gefällt. Mach’s Dir schön!

Vielleicht möchtest du eine Affirmation oder einen Tipp aufhängen , den du von deinem/r Lehrer*in bekommen hast, damit Dir dieser immer präsent ist. Inspiration kannst Du Dir dafür gern auf meiner Pinnwand „Inspiration und Motivation Musik“ bei Pinterest holen.

Vielleicht magst Du Dir auch viel lieber ein Bild von einem/r Dich inspirierenden Musiker*in aufhängen.

Die Raumgestaltung muss aber nicht zwingend etwas mit Musik zu tun haben. Sie darf auch einfach nur schön sein. 

Für Dich zusammengefasst:

  • Suche Dir einen Ort, an dem Du Dich frei fühlst und wo es auch mal nicht so schön klingen darf!
  • Ordnung ist bei mir die halbe Miete. Vielleicht geht es Dir ja genauso?
  • Schau, dass Du Ruhe beim Üben hast und Dich keiner stört.
  • Ich bewege mich gern viel beim Üben, deshalb schaue ich, dass mir genügend Platz zur Verfügung steht.
  • Bist Du gut ausgestattet? Notenständer, Stuhl & Bleistift?
  • Schaffe Dir ein Ort an dem Du Dich wohlfühlst und wo Du gern bist.
  • Notizhefte oder Journals können reine Wunder beim Üben bewirken. Möchtest Du Dein Üben tracken, lege Dir ein schön designtes Heftchen oder den beingdoingmusic-Übetracker parat.

Fazit

Manchmal fehlt es uns gar nicht umbedingt an Motivation um regelmäßig und stetig motiviert zu üben. Manchmal kann der Grund für mangelnde Disziplin auch das Fehlen eines Ortes sein, an dem wir uns beim Musizieren wohlfühlen.

Sei nicht demotiviert, wenn Du nicht gleich alle 7 Impulse für Deinen Ort zum Üben umsetzen kannst. Allein dadurch, dass Du dieses Thema in Dein Bewusstsein gerückt hast, wird schon viel passieren.

Und nach und nach wirst Du Deiner Idealvorstellung von Deinem Ort zum Üben Stück für Stück näher kommen. 

Noch ein letzter Gedanke. Übst Du eigentlich immer an dem selben Ort? Man kann Stimmungen nämlich an einen bestimmten Ort koppeln und dann für eine bestimmte Tätigkeit an diesem Ort „in Stimmung“ kommen. Auf der Couch entspannen wir, am Esstisch essen wir usw.

Wo könnte also der Ort sein, der Dich in Deine „Übestimmung“ bringt? 

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Erschaffen Deines Übeortes. Hinterlasse mir gerne einen Kommentar, wenn Du noch einen weiteren wichtigen Punkt beitragen magst!

Deine Melina